Sonntag, 27. November 2022 Kodak Retina Kameratechnik
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Kodak Retina -/- Faszination eines Kamera-System -/- 1934 bis 1969

Retina & Retinette die Technik

Kodak-RETINA- & RETINETTE-Kameras lassen sich nach ihrem Grundkonzept und entsprechend technischer Verbesserungen in wenige Gruppen unterteilen. Es betrifft dies das Kameragehäuse (Tafel 1), die Art des Filmtransports und Filmrückspulen (Tafel 2), Verschluss und Auslösung, Bildzählwerk, Suchersystem, Optik etc. In den nachfolgenden Kapiteln sind die unterschiedlichen Ausführungen im RETINA-Kamerasystem mit ihrem Zubehör beschrieben oder aufgelistet.

Generelles Ziel von Verbesserungen und neuen Modellen von Kameras betrifft in erster Linie eine Vereinfachung der Handhabung ohne Einbusse auf Leistung und Komfort. Diese Zielsetzung ist an der Weiterentwicklung der Retina- und Retinette-Kameras ersichtlich.

Konkurrenzdruck mag in der letzten Produktionsphase dazu geführt haben, dass fertigungstechnische Vereinfachungen, zwar ohne wesentliche Beeinträchtigung der Qualität, vorgenommen werden mussten.

Verweise: Kameragehäuse //  RETINETTE-Kamera //  INSTAMATIC-Kamera //  Filmtransport / Rückspulen //  Verschluss / Auslösung //  Bildzählwerk //  Suchersysteme //  Kameraobjektive

Kameragehäuse

1. Generation

Retina-Kameragehäuse von 1934 (Type 117) bis 1953 (Type 016) zeichnen sich aus als Klappkameras (Scheren-Spreizen-Konstruktion) mit ihren etwas kantigen Formen, mit Balgen und mit versenkbarem Objektiv.

Retinette-Kameras der Typen 160, 012 und 017 weisen dieselbe Gehäuseform auf.

Die Frontdeckel dieser Kameras in nahezu quadratischer Form sind rechts am Gehäuse angelenkt und markant vorstehend. Bei den beiden Retina II-Typen 122 und 142 ist dieser Frontdeckel etwas weniger tief ausgebildet. Dafür ist in diesen Deckeln ein kurzes Zylinderstück mit kreisrundem Deckel eingelassen.

Eine weitere Ausnahme der Standard-Anordnung ist bei der ersten 1939 erschienenen Retinette (Type 147) zu finden. Bei dieser Kamera öffnet sich der Frontdeckel nach vorn und ist unten am Gehäuse angeflanscht.

An den Frontdeckeln der Retina I - Typen von 117 bis 010 ist eine mit «KODAK» beschriftete Stütze ausklappbar. Diese Stütze fehlt an den Frontdeckeln der Retinette-Typen.

Die Gehäusedeckel der Retina- und Retinette-Kameras dieser «Vorkriegs»-Generation sind unterschiedlich. So ist bei einigen Typen nur das Schaltwerk für den Filmtransport überdeckt, oder als weitere Variante ist zum Beispiel der Fernrohrsucher integriert.

Bei den Retina II - Typen ist der Entfernungsmesser zusätzlich abgedeckt und letztlich bildet ein geschlossener Gehäusedeckel unterschiedlicher Höhe den oberen Kameraabschluss.

Bei den RETINA I - Typen 126 bis 010 sind in der Gehäuseoberseite neben dem Schaltwerkdeckel zwei Gewindebohrungen vorhanden. Sie sind zur Befestigung eines Zubehörschuhs vorgesehen und sind offen oder mit Schlitzschrauben abgedeckt.

Die Gehäuseböden weisen unten auf der rechten Seite eine Gewindebohrung ¼Zoll für die Kamerabefestigung an einem Stativ auf. An der linken unteren Seite ist bei einigen Typen eine runde einstellbare Skalenscheibe zur Bestimmung der Schärfentiefe eingesetzt.

Die Gehäuserückwände sind rechts hinten an den Gehäusen angeflanscht und werden mittels Hebel an der linken Rückwandseite verriegelt.

Kamera-Nummern sind auf der Innenseite der Rückwände neben der Filmandrückplatte eingeschlagen.

Je nach Type sind die Gehäuse schwarz lackiert oder partiell verchromt und mit einem Lederüberzug versehen.

2. Generation

Mit den 1954 angebotenen neuen RETINA-Typen Ib, IIc und IIIc wurden elegante Kleinbild-Klappkameras präsentiert, die optisch wie auch funktionell überzeugten. Kameragehäuse wie auch Frontdeckel sind abgerundet. Der Balgen ist hinter einem metallenen verschiebbaren Objektivträger versteckt und von aussen nicht mehr sichtbar. Die Gehäusedeckel sind mattverchromt und überdecken die gesamte Gehäusebreite.

Zwischen Gehäusedeckel und Gehäuse ist bei späteren Kameras ein verchromter Zwischenboden eingesetzt. Auf dem Gehäusedeckel ist serienmässig ein Zubehörschuh aufgeschraubt.

Der Gehäuseboden der Kameras wurde geändert und in der neuen Konzeption bei den meisten folgenden RETINA- und RETINETTE.Typen beibehalten. Auf der linken Bodenseite ist eine neuartige

Rückwandverriegelung und eine Gewindebohrung ¼" zur Befestigung der Kamera auf einem Stativ, bzw. zum Anschluss von Zubehör angeordnet. In der Mitte des Bodens ist eine Zentrierbohrung vorhanden, welche zur exakten Positionierung von Retina-Zubehör, z.B. dem Nahaufnahme-Ansatz etc. dient. An der rechten Seite des Bodens ist der Hebel für Filmfortschaltung und Verschlussaufzug zu finden. Besonderheit der Retina-Klappkameras: Vor dem Schliessen des Frontdeckels muss die Distanzeinstellung auf «Unendlich» zurückgestellt werden.

Bei späteren Retina-Kameras ist das Bildzählwerk vom Gehäusedeckel oben in den Gehäuseboden verlegt worden. So wurde auch der Bildstellhebel von der Rückseite des Gehäusedeckels später in den Gehäuseboden integriert. Die Kamera-Nummern sind neu in den Gehäusedeckel eingraviert, zumeist in den Nähe des Zubehörschuhs.

3.Generation

1956 wurde die erste Retina-Spiegelreflexkamera Type 025 auf den Markt gebracht. Bedingt durch Spiegelkasten und Pentaprisma ist ein neuer Retina-Gehäusetypus entstanden. Während die erste Retina-Reflex in vielen technischen Belangen den neuen Typen 020 & 021 entsprachen, so zeigten die Reflex-Modelle S (034), Reflex III (041) und Reflex IV (051) ein anderes Konzept. An diesen Kameras ist das Objektiv vollständig austauschbar!

Die Gehäuse der Reflex-Typen unterscheiden sich äusserlich durch ihre Abmessungen.

Ab 1958 erfolgte bei Kodak-Stuttgart ein weiterer grosser Schritt mit der Einführung einer Retina-Sucherkamera mit Wechselobjektiven, der Retina IIIS (Type 027).

RETINETTE-Kamera

Die Retinette (Type 022) von 1954 zeigte eine neue Gehäusegeneration mit nicht mehr versenkbarem Objektiv an, welche für die nachfolgenden Retinette-Typen nahezu unverändert blieb. Die beiden neuen RETINA-Sucherkameras, die RETINA IIS (024) und RETINA IIIS (027) zeigen in etwa ebenfalls diese neue Gehäusegeneration auf. Sie lösten endgültig die Aera der Retina-Klappkameras ab.

Den Gehäusen dieser Kameras ist eine gewisse Eleganz nicht abzusprechen. Sie vermissen allerdings die Kompaktheit der früheren Klapp-Retinas, zum Teil bedingt durch die eingebauten Entfernungs- und Belichtungsmesser.

INSTAMATIC-Kamera

Dem Trend nach einfach bedienbaren Kameras folgend brachte Kodak Stuttgart ab 1963 drei Instamatic-Kameras für die Filmkassette 126 heraus, welche dem Qualitätsstandard der Retinas jener Zeit ebenbürtig, die Instamatic-Reflex mit Wechselobjektiv als letztes Modell den Mitbewerbern gar überlegen waren. Es betrifft dies die Typen 048, 052 und 062.

Die Gehäuse dieser drei Kameras, jeweils eine Metall-/ Kunststoff-Konstruktion, liessen sich weniger aufwändig herstellen.

Filmtransport und Rückspulen

Mit Ausnahme der ersten Retina II (Type 122) weisen sämtliche Retina I & II –Kameras der Typen 117 bis 014 je einen Filmfortschalt- und einen Rückspuldrehknopf auf.

Die einwandfreie Planlage des Films wird durch saubere Filmführungen und der Filmandrückplatte erreicht. Dennoch war zu beachten, dass der Filmanfang richtig in die Aufwickelspule eingefädelt wurde, die Perforation des Filmes einwandfrei in das kleine Nockenrad (zwischen Filmführungen und Aufwickelspule) eingreifen konnte und der Film relativ straff auf den Filmführungen auflag.

Um den Filmtransport auf nur eine Bildlänge plus Abstand zu begrenzen ist bei jeder Kamera ein spezieller Mechanismus (Fortschalt-Freigabe) erforderlich. Schon bei den ersten Retina-Typen ist dieser Mechanismus vorhanden und mit dem Bildzählwerk gekuppelt.

Leider war dieser erste Mechanismus nicht mit der Kamera-Auslösung kuppelbar. Für Besitzer einer frühen RETINA wurde daher eine konsequente Bedienungshandhabung erwartet, denn eine Doppelbelichtungssperre war auch noch nicht vorhanden:

Frontdeckel öffnen – Distanz schätzen und einstellen – Verschlussgeschwindigkeit vorwählen – Verschluss spannen – Objekt anvisieren und auslösen – Transportfreigabe betätigen – Film weiterschalten.

Eine Kombination des Filmtransportes mit Weiterschaltung des Bildzählwerkes und Sperre gegen Doppel- belichtungen ist erst bei den Retinas mit Gehäuseauslösung möglich geworden.

Im Gegensatz zu Klapp-Rollfilmkameras mit grösserem Filmformat (120, 127, 620) muss der Film bei Klein-bildkameras nach der Belichtung in die Filmpatrone zurückgespult werden. Dies ist nur möglich, wenn zum Beispiel ein Transport-Sperrmechanismus ausgekuppelt werden kann; das heisst, ein Rückspulen des Films ist erst nach Lösen dieser Sperre möglich

Der Entsperrmechanismus an den Retina-Kameras ist im Laufe der Zeit verschiedentlich geändert worden, Bei späteren Typen ab 015 wird diese Sperre gleichzeitig zum Ermöglichen von Doppelbelichtungen benützt.

Die Retina II (Type 122) von 1936/7 weist nebst versenkbarem Gehäuseauslöser erstmals einen Schnelltransporthebel auf dem Gehäuse oben rechts aus. Mittels 2 bis 3 Hüben wird der Film transportiert und das Bildzählwerk weitergeschaltet.

Offensichtlich ist entweder der Fertigungsaufwand oder aber die Zuverlässigkeit dieser fortschrittlichen Konstruktion nicht befriedigend gewesen: Die folgenden Retinas sind wieder mit Fortschaltdrehknöpfen gebaut worden und erst die Typen 015 (Ia) und 016 (IIa) sind erneut mit Schnellschalt- hebel oben rechts ausgerüstet.

Ab 1954 enthalten sämtliche Retina- und Retinette-Typen einen am Gehäuseboden unten rechts befestigten Schnellschalthebel. Mit der Filmfortschaltung wird gleichzeitig der Verschlussaufzug betätigt und das Bildzählwerk weitergeschaltet.

Bevor der Film zurückgespult werden kann, muss die Rückspulsperre ausgekuppelt werden, ein gleicher Vorgang, wie er zur Erzielung von Doppelbelichtungen notwendig wird. Dieses Auskuppeln erfolgt bei den frühen Retina/Retinette-Kameras unterschiedlich, z.B. durch Umlegen eines Hebelchens. Mit dem ab 1954 eingebauten Schnellschaltsystem wird das Entkuppeln durch Eindrücken des im Kameraboden befindlichen Knopfes «E» ausgelöst.

Eine Besonderheit weisen die beiden letzten Retina-Typen 060 (S1) und 061 (S2) bezüglich Film-Rückspulen auf. Durch Hochdrücken eines seitlichen Schiebers wird eine Rutschkupplung aktiviert, die es ermöglicht, mit normaler Bewegung des Schnellschalthebels den Film zurückzuspulen. Leider ist an beiden Kameras etwas zuviel Kunststoff verwendet worden. Unsachgemässe Bedienung kann zu nicht reparierbarem Defekt führen!

Mit verhältnismässig einfachem Aufwand ist der Filmtransport bei den Instamatic 126 – Typen zu lösen gewesen. Ein Schnellschalthebel mit auf Bild und Zwischenraum abgestimmten Hub ist mit der Doppelbelichtungssperre gekuppelt. Ein spezielles Bildzählwerk und eine Rückspuleinrichtung ist nicht erforderlich. Die Kassette des 126-er Films weist ein lichtdichtes Fenster auf, welches anzeigt, wie viele Bilder bereits ausgelöst worden sind. Deshalb weisen sämtliche Kameras für den Instamatic-Film in der Rückwand lediglich ein kleines Fenster auf.

Verschluss und Auslösung

Bei den in den Retina- und Retinette-Kameras eingebauten Zentralverschlüssen handelt es sich um sogenannte «Spannverschlüsse» hauptsächlich der Hersteller Friedrich Deckel, München und Alfred Gauthier, Calmbach. Die Benennung Zentral- verschluss deshalb, weil er sich zentrisch von Innen nach Aussen öffnet und wieder schliesst und Spannverschluss, weil er zuerst vorgespannt werden muss. Über ein am Verschluss angeordnetes kleines Hebelchens erfolgt bei den älteren Kameras das Vorspannen. Diese Manipulation darf vor einer Aufnahme nicht vergessen werden. Sicherlich mag dies der Grund sein, weshalb einst viele gute Schnappschuss-Aufnahmen vereitelt worden sind!

Retina- und Retinette-Kameras bis und mit den Typen 013 und 014 besitzen dieses Vorspannhebelchen. An späteren Typen mit Schnellschalthebel erfolgt das Vorspannen über ein geniales System gleichzeitig mit dem Filmtransport (ab 1954 siehe Bild rechts).

Während an den Verschlüssen der Retina-Typen 117 bis 016 die sogen. «alte» Verschlusszeiten-Einstellungen zur Verfügung standen, erfolgte an den neuen Modellen der 2.Generation eine Umstellung auf die neue Belichtungszeiten-Reihe. Dabei werden die Werte halbiert. Eine analoge Abstufung ist bereits bei den Blendenwerte vorhanden. So war es möglich, ein gekuppeltes Zeit-Blendensystem mit sogenannten Lichtwerten einzuführen. Wird beispielsweise die Verschlusszeit verkürzt, so wird gleichzeitig die Blende geöffnet.

Je nach Lichtverhältnissen mussten nur noch einige Lichtwerte bekannt sein und schon war das Problem der einzelnen Blenden- und Zeiteinstellung gelöst. Mit einer einzigen Einstellung des Lichtwertes am Verschluss konnte problemloser mit Blenden- oder Verschlusszeitenpriorität gearbeitet werden.

Bei späteren Retina-Typen wurde die Lichtwerteinstellung zum Teil wieder verlassen, was je nach Type mit den eingebauten Verschlüssen oder Belichtungsmessern zusammen hing.

Nachfolgend eine Übersicht über die bei den Retina- und Retinette-Typen eingebauten Verschlüssen und den damit einstellbaren Geschwindigkeiten:

Verschluss TypVerschlusszeitKameratype
CompurB1½1/51/101/251/501/1001/300alte «I» -160-167
Compur neu red.B1/301/601/1251/2501/500032-039
Compur neuB1½¼1/81/151/301/601/1251/2501/500S030-040-047
Compur RapidB1½1/51/101/251/501/1001/2501/500
Compur Rapid neuB1½¼1/81/151/301/601/1251/2501/500S022-026-030-031
Synchro-CompurB1½¼1/81/151/301/601/1251/2501/500
Synchro-Compur-XB
Compur Automat
Compur Spezial
Compur electronic15stufenlos1/500062
Kodak K31/251/501/100
KodakB1½1/51/101/251/501/1001/250017f-022f
KodakB1½¼1/81/151/301/601/1251/250022/7-030/7-060-061
AGC VeroB
AGC ProntoB1/301/601/1251/250S035-042
AGC Pronto LKB1/151/301/601/1251/2501/500S037
AGC Prontor SB1
AGC Prontor SVB1
AGC Prontormat
AGC Prontormat -S
AGC Prontor 250 S
AGC Prontor 300 SB1/301/601/1251/300S044
AGC Prontor 500 LKB1/151/301/601/1251/2501/500S 045-046

Das Auslösen der Retina- und Retinette-Kameras erfolgte im Laufe der Zeit an unterschiedlichen Stellen der Kameras. So ist an älteren Retina I -Modellen ein kleiner Hebel direkt am Verschluss zu betätigen. Wahlweise konnte auch ein kurzer Auslöser direkt ins Drahtauslösergewinde des Verschlusses eingeschraubt werden. Dieser kurze Auslöser musste vor dem Schliessen des Frontdeckels nicht abgeschraubt werden.

Schon bei der ersten Retina II (Type 122) und bei den folgenden Typen mit Entfernungsmesser ist ein Gehäuseauslöser eingebaut worden. Mit der neuen Kamera-Generationen, das heisst den Modellen mit Schnellschalthebel, ist der Gehäuseauslöser zur Selbstverständlichkeit geworden. Diese bewährte Anordnung wurde bei den späteren Retina-Typen verlassen und der Auslöser vom Gehäusedeckel auf die rechte Seite der Frontpartie von Kameras verlegt.

Bildzählwerk

Wie erwähnt ist schon bei den ersten Retina-Typen ein Bildzählwerk eingebaut worden, sinnvoll in Anbetracht der Filmlängen für ca. 36 Bilder. Um das Weiterschalten des Bildzählwerkes zu gewährleisten ist schon zu Beginn an eine Zwangsverbindung mit dem Filmtransport gedacht worden. Bei der ersten Retina (Type 117) übernahm ein markant aufgebauter Drehknopf das Weiterschalten des Bildzählwerks und die Transportfreigabe. Bis zu den Typen 143 ist jede weitere Retina (I) mit einem Hebelchen oben rechts, dem «Transportfreigabe-Hebel», ausgerüstet. So kann der Film erst nach einer Aufnahme weiter transportiert werden, wenn dieses Hebelchen nach rechts geschoben und damit das Bildzählwerk gleichzeitig um einen Schritt weitergeschaltet wird (siehe Tafel 2). Eine Sicherung gegen Doppelbelichtung war damit aber nicht gegeben und wurde erst später realisiert.

Bei den späteren Retina-Typen erfolgt das Weiterschalten des Bildzählwerks entweder automatisch in Kombination von Gehäuseauslöser und Filmtransport oder manuell per Schiebeknopf, rückseitig am Gehäusedeckel, beziehungsweise am Gehäuseboden zu finden. Mit diesem Schiebeknopf wird auch die automatische Transportsperre nach 36 Aufnahmen aufgehoben, indem um 2 Leerrasten weitergeschaltet wird.

Suchersysteme

Entsprechend dem technischen Standard der 30er Jahre sind die Fernrohrsucher an den Retina-Modellen ebenfalls klein und wenig komfortabel.

Bei den Retina II –Modellen der Typen 122 und 142 ist der eingebaute Entfernungsmesser (runde Fensterchen) vom Sucher getrennt, jedoch mit der Distanzeinstellung des Objektivs gekuppelt. Bildausschnitt und Distanzeinstellung ist so an zwei verschiedenen Einblickfenstern zu kontrollieren. Ab der Retina IIa (Type 150) wird von einem eingebauten, gekuppelten Messsucher gesprochen. Distanzeinstellung und Bildausschnitt wird über nur ein Suchersystem bestimmt.

Obschon an den diversen Kameras stets Verbesserungen festzustellen sind, erfolgte ein echter Fortschritt beim Suchersystem erst mit Einführung der Grossbildsucher. Zwar weisen die Retinas und Retinette der neuen Modellreihe ab 1954 im optischen Sucher bereits einen eingespiegelten Bildbegrenzungsrahmen auf und zeigen im Sucher etwas mehr auf als dies dem Aufnahmeformat entspricht. Das Sucherbild ist jedoch immer noch sehr klein.

Erst bei den Retinas und Retinetten ab 1958 sind die Sucher (neu Grossbildsucher genannt) wesentlich verbessert worden. So war es möglich, bei den Typen IIC, IIIC und IIIS sogar mehrere Bildbe- grenzungsrahmen entsprechend den verwendbaren Brennweiten einzuspiegeln.

Letztlich überraschte nicht, dass Kodak ab ca. 1949 zu den «Sucher»-Retina’s einen aufsteckbaren Rahmen- oder Sportsucher anbot. Wie später beschrieben folgten für verschiedene Anwendungs- gebiete weiteres Zubehör an Spezialsuchern. Damit konnten zwar die Einsatzmöglichkeiten der Sucher-Retina’s erweitert werden. Gegenüber einäugigen Spiegelreflexkameras aber blieben sie im Nachteil.

Die Aera der System-Sucherkameras wurde in den 60er-Jahren mit dem Erscheinen von zuverlässigen und preislich vertretbaren Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven und Systemzubehör abgelöst.

Kameraobjektive

Wesentliches Merkmal einer guten Kamera ist die Qualität der Optik. Offensichtlich hatte Dr. August Nagel schon früh gute Erfahrungen mit Objektiven der Firma Jos. Schneider aus Bad Kreuznach gemacht, sei es bezüglich Qualität oder sei es auch aus preislichen Gründen gewesen. Jedenfalls blieb die Firma Schneider Hauptlieferant von Objektiven für die Retina-Kameras und mit Fug und Recht kann gesagt werden, dass die Firma Schneider wesentlich dazu beigetragen hat, den guten Ruf der Retina’s zu stärken und zu verbreiten.

Schon die ersten Retina-Kameras waren mit dem gut auskorrigierten 4-linsigen XENAR und einer Lichtstärke 3.5 ausgerüstet. Alternativ wurde jeweils auch Kameras mit einem Kodak Anastigmat 3.5 bezw. später einem EKTAR 3.5 angeboten, beides speziell für Kodak hergestellte Objektive der Firma Jos. Schneider.

Natürlich konnten schon früh auch mit dem 4-linsigen TESSAR der Firma Carl Zeiss, Jena bestückte Retinas gegen einen etwas höheren Preis erstanden werden.

Die ersten Retina II (Type 122) von 1936, eine nur in kleiner Stückzahl hergestellte Kamera, wurde mit drei verschiedenen Objektiv-Bestückungen angeboten. Nebst dem bekannten EKTAR 3.5 sind XENON- Objektive mit den Lichtstärken 2.8 und 2.0 eingebaut worden. Ob es sich dabei um XENON-Objektive mit dem üblichen 6/4-Linsenaufbau handelte, ist nicht bekannt. Die Firma Jos. Schneider fertigte zu jener Zeit u.a. lichtstarke XENARE 2.8 (5/4) und das XENON 2.0 mit 6 Linsen in 5 Gruppen.

Bei den in der Kameraauflistung aufgeführten Objektiven anderer Hersteller aus der Vorkriegszeit handelt es sich um in nicht nennenswerter Zahl gebauter Ausrüstungskombinationen.

Ab Produktion Wiederbeginn nach dem II. Weltkrieg zählte die Firma Rodenstock in München zusätzlich zu den Objektiv-Lieferanten. Auch sind bei Kodak in Amerika hergestellte EKTARe in Nachkriegs-Retinas eingebaut worden.

Die Firmen Jos. Schneider Optische Werke GmbH, Kreuznach/Rhld. und G. Rodenstock GmbH, München engagierten sich später in der Herstellung von Vorsatz-Optiken und Wechselobjektiven zur Retina, erwähnt im Kapitel 2.

In den Retinette-Kameras sind - mit Ausnahmen - 3-linsige Objektive eingebaut worden, wobei wiederum die Firmen Jos. Schneider und G. Rodenstock zu den Hauptlieferanten zählten. Viele dieser gut korrigierten Dreilinser weisen den von Kodak geschützten Namen REOMAR auf. Als Besonderheit oder als Rarität gelten die nach Frankreich ohne Objektive gelieferten Retinetten, welche dort mit Angenieux-Objektiven ausgerüstet wurden.

Anmerkung zu den Retina-Typen Ib, IB, IIc, IIC, IIIc, IIIC

Wie bereits erwähnt sind an den diversen Retina.Kameras immer wieder Verbesserungen vorgenommen worden. Von vielen Retina-Freunden und -Sammlern kaum bemerkt werden die zum Teil kleinen, aber interessanten Unterschiede an den speziell erwähnten Kameras anschliessend aufgezeigt. An späteren Kamera-Typen sind jeweils ebenfalls Modifikationen vorgenommen worden. Auf eine Aufzählung wird hier verzichtet, da sie kaum vollständig sein kann.

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Letzte aktualisierung am Freitag, 04. Februar 2022